Hallo zusammen, Alex hier. Heute geht’s um eine besondere Berufsgruppe unter den Selbstständigen – Menschen in den Heilberufen. Also: Physiotherapeut:innen, Heilpraktiker:innen, Ergotherapeut:innen, Logopäd:innen, Podolog:innen, Osteopath:innen oder auch selbstständige Hebammen und Psychotherapeut:innen.
Was sie alle gemeinsam haben: Sie arbeiten nah am Menschen, tragen eine enorme Verantwortung – und brauchen gleichzeitig auch in finanzieller Hinsicht einen langen Atem.
Ob Praxisgründung, neue Behandlungsgeräte, digitale Ausstattung oder einfach ein Liquiditätspuffer – Geldbedarf gibt’s genug. Aber gerade in den Heilberufen ist die Finanzierung oft komplizierter, als sie sein müsste. Ich zeige dir heute, wie du auch ohne betriebswirtschaftlichen Background an einen passenden Kredit kommst – ohne dich im Paragrafendschungel zu verirren.
1. Besonderheiten der Heilberufe bei der Finanzierung
Heilberufe sind zwar systemrelevant, aber für viele Banken trotzdem „Spezialfälle“. Warum?
- Keine klassischen Gewerbebetriebe, sondern oft Freiberufler:innen
- Abrechnung über Kassen, privat oder Mischformen
- Berufsrechtliche Vorgaben (z.?B. Approbation, Berufshaftpflicht, Zulassungen)
- Hoher Vertrauensvorschuss nötig, besonders bei Neugründung
Banken wollen bei solchen Finanzierungen ganz genau wissen:
- Bist du zugelassen und darfst du die Tätigkeit ausüben?
- Wie sehen deine Abrechnungen aus (privat vs. Kasse)?
- Gibt es bestehende Kooperationen oder Überweisungsquellen?
2. Typische Finanzierungsanlässe im Heilberuf
- Praxisgründung (inkl. Miete, Umbau, Einrichtung, Geräte)
- Übernahme einer bestehenden Praxis
- Erweiterung (z.?B. zweiter Behandlungsraum, neues Teammitglied)
- Investitionen in Geräte (z.?B. Ultraschall, Therapieliegen, Software)
- Digitalisierung (Online-Terminbuchung, DSGVO-konforme Dokumentation)
- Zwischenfinanzierung bei verzögerten Kassenabrechnungen
In vielen Fällen sind das langfristige, planbare Ausgaben – was bei der Finanzierung ein Vorteil ist.
3. Diese Kredite eignen sich besonders für Heilberufe
a) KfW-Förderkredite
Besonders empfehlenswert ist der ERP-Gründerkredit – StartGeld der KfW.
- Für Praxisgründung oder Übernahme
- Bis 125.000 €
- Tilgungsfreie Anlaufzeit
- Antrag über Hausbank
Auch für bestehende Praxen gibt es den KfW-Unternehmerkredit, mit flexibler Laufzeit und günstigen Zinsen.
Wichtig: Ein einfacher Businessplan, eine Übersicht über deinen Kapitalbedarf und ggf. eine Rentabilitätsvorschau sollten vorbereitet sein.
b) Bankkredite mit Heilberufe-Schwerpunkt
Einige Banken haben eigene Abteilungen oder Berater:innen für Heilberufe, z.?B.:
- Deutsche Apotheker- und Ärztebank
- Sparkassen mit „Heilberufe Center“
- Volksbanken mit Branchenfokus
Vorteil:
- Die kennen deine Branche
- Verstehen deine Abrechnungswege
- Erkennen das Potenzial auch bei Einzelpraxen
c) Mikrokredite oder Plattformkredite für kleinere Beträge
Wenn du „nur“ 5.000 bis 20.000 € brauchst – z.?B. für Geräte, Möbel, Software oder Fortbildungen – reicht oft ein Mikrokredit.
Anbieter:
- Deutsches Mikrokreditinstitut
- iwoca
- auxmoney (auch als Plattform mit Investoren)
Wichtig: Du musst kein betriebswirtschaftliches Genie sein. Eine klare Auflistung und ein realistischer Rückzahlungsplan genügen.
d) Leasing statt Kauf
Für teure Geräte (z.?B. Massageliegen, Lasertechnik, medizinische Software oder Praxisausstattung) kann Leasing sinnvoll sein.
- Geringe Einstiegskosten
- Feste monatliche Raten
- Steuerlich als Betriebsausgabe absetzbar
- Flexibel in Kombination mit Service- oder Wartungsverträgen
4. Was brauchst du für den Kreditantrag?
Auch als Therapeut:in oder Heilpraktiker:in musst du bei einer Finanzierung ein paar Dinge parat haben:
- Approbationsurkunde oder Berufsqualifikation
- Nachweis über Berufshaftpflichtversicherung
- Geplante Praxisausstattung mit Kostenaufstellung
- Übersicht über Einnahmen und Ausgaben (ggf. aus früherer Tätigkeit)
- Finanzierungsplan (Wofür? Wie viel? Wann zurückzahlen?)
- Bei Übernahme: Pachtvertrag oder Übernahmevereinbarung
Und nicht vergessen: Eine einfache Umsatzprognose (z.?B. „Ich plane mit 10 Behandlungen pro Tag zu je 75 €“) macht mehr Eindruck als jeder lange Businessplan.
5. Häufige Stolperfallen – und wie du sie vermeidest
Fehler 1: Du planst zu vage
„Ich brauche ungefähr 30.000 Euro für meine Praxis.“ ? Das ist zu unkonkret. Besser: „Therapieliege 2.500 €, Ultraschallgerät 6.800 €, Empfangsbereich 3.000 €, Software 1.200 €…“
Fehler 2: Du rechnest zu optimistisch
Rechne lieber mit 60–70 % Auslastung im ersten Jahr – und baue einen Puffer ein.
Fehler 3: Du gehst zur falschen Bank
Hausbanken ohne Branchenerfahrung lehnen oft vorschnell ab. Geh lieber zu einem Institut mit Heilberufe-Schwerpunkt.
6. Fördermöglichkeiten speziell für Heilberufe
Manche Bundesländer bieten zusätzliche Förderprogramme – z.?B. für:
- Niederlassung im ländlichen Raum
- Digitalisierung und Telemedizin
- Frauen in der Selbstständigkeit
- Existenzgründer:innen im Gesundheitssektor
Anlaufstellen:
- Landesförderbanken (z.?B. NRW.Bank, L-Bank, LfA Bayern)
- Berufsverbände (z.?B. für Heilpraktiker, Logopäden, Physiotherapeuten)
- Kassenärztliche Vereinigungen (für ärztliche und psychotherapeutische Berufe)
Auch in den Heilberufen ist Finanzierung möglich – wenn du’s gut aufbereitest
Als selbstständige:r Therapeut:in oder Heilpraktiker:in hast du gute Chancen auf eine Finanzierung – weil dein Beruf gesellschaftlich wichtig ist und stabile Nachfrage besteht.
Entscheidend ist:
- Zeig dein Konzept klar und verständlich
- Sei realistisch bei den Zahlen
- Such dir die richtige Bank oder Plattform
- Und hab keine Angst vor Begriffen wie „Liquiditätsplan“ – das ist einfacher, als es klingt
Wenn du Herzblut, Fachwissen und einen nachvollziehbaren Plan mitbringst, bekommst du auch das nötige Kapital dazu.
Hast du schon eine Praxis gegründet oder bist gerade in der Planung? Schreib mir gern – ich bin gespannt auf deine Erfahrungen.