Hallo zusammen, Alex hier. Ich erinnere mich noch gut an das Gefühl: Da sitzt du tagelang an deinen Unterlagen, sammelst Kontoauszüge, rechnest deine Einnahmen hoch, schreibst einen Finanzierungsplan – und dann kommt von der Bank nur ein kurzer Satz: „Leider können wir Ihrem Kreditantrag nicht stattgeben.“
Autsch.
Für uns Selbstständige ist das nichts Ungewöhnliches. Wir haben keine festen Gehälter, keine klaren Lohnabrechnungen, oft schwankende Umsätze – und schon passt man nicht ins Raster der klassischen Bank. Aber eine Absage muss nicht das Ende sein. In diesem Artikel zeige ich dir, warum Banken oft ablehnen, wie du klug darauf reagierst und welche Möglichkeiten du trotzdem hast.
1. Warum lehnen Banken Kredite für Selbstständige ab?
Es gibt viele Gründe – nicht alle haben direkt mit dir persönlich zu tun. Hier die häufigsten:
- Unregelmäßige Einnahmen: Die Bank kann deine Rückzahlungsfähigkeit schwer einschätzen.
- Keine Sicherheiten: Du besitzt keine Immobilie, kein Auto oder keine andere verwertbare Sicherheit.
- Schufa-Einträge: Auch alte oder kleine Negativmerkmale können den Ausschlag geben.
- Unvollständige Unterlagen: Wenn Zahlen fehlen, wirkt das schnell unprofessionell.
- Zu hoher Kreditbetrag: Wenn du zu viel willst, ohne das mit realistischen Zahlen zu belegen, wird abgelehnt.
- Zu kurzes Geschäftsbestehen: Viele Banken fordern zwei oder mehr Jahre Selbstständigkeit.
Wichtig: Nicht jede Ablehnung heißt, dass du „nicht kreditwürdig“ bist. Oft fehlt nur eine Kleinigkeit – oder du bist schlicht beim falschen Anbieter.
2. Was du nach einer Absage tun solltest
a) Ruhe bewahren und nachfragen
Frag direkt nach, warum dein Antrag abgelehnt wurde. Du hast ein Recht auf eine Auskunft. Gute Fragen sind:
- Lag es an der Bonität oder an den Zahlen?
- Welche Unterlagen haben gefehlt?
- Würde ein niedrigerer Kreditbetrag helfen?
- Gibt es Bedingungen, unter denen ein Kredit möglich wäre?
Oft erfährst du hier schon, wie du es beim nächsten Mal besser machen kannst.
b) Unterlagen prüfen und nachbessern
Schau dir deine Einreichungen kritisch an:
- Sind deine Einnahmen wirklich nachvollziehbar dargestellt?
- Gibt es Unklarheiten in der Buchführung?
- Hast du Rücklagen oder Sicherheiten vergessen anzugeben?
- Ist dein Finanzierungszweck überzeugend formuliert?
Manchmal hilft schon eine sauber aufbereitete Einnahmenübersicht oder ein einfacher Tilgungsplan.
c) Alternativen prüfen
Wenn Bank A ablehnt, heißt das nicht, dass Bank B das auch tut. Und klassische Banken sind nicht die einzigen Anlaufstellen. Hier ein paar Möglichkeiten:
3. Alternativen nach einer Kreditabsage
a) Mikrokredite
- Kredite bis 25.000 Euro
- Für Solo-Selbstständige und kleine Unternehmen
- Fokus auf Geschäftsidee und Motivation, nicht nur auf Zahlen
- Anbieter: Deutsches Mikrokreditinstitut, iwoca, FinTechs
b) Kreditplattformen (auxmoney, Smava)
- Finanzierung über private oder institutionelle Investoren
- Deine Geschichte, dein Geschäftsmodell und deine Perspektive zählen
- Auch bei mittlerer Bonität möglich
- Zinsen oft höher, aber fair verhandelbar
c) Bürgschaftsbank einschalten
Wenn es nur an fehlenden Sicherheiten lag, kann eine Bürgschaft helfen. In jedem Bundesland gibt es Bürgschaftsbanken, die für einen Teil des Risikos einstehen – das erhöht deine Chancen bei deiner Hausbank.
d) Ratenkredit über dein privates Einkommen
Wenn du (noch) eine Festanstellung oder andere regelmäßige Einkünfte hast, kannst du den Kredit privat aufnehmen – statt als Selbstständiger. Wichtig: Die Rückzahlung muss trotzdem realistisch sein.
e) Leasing statt Kredit
Ob Laptop, Kamera, Fahrzeug oder Software – viele Dinge kannst du auch leasen. Vorteile:
- Keine hohe Einmalzahlung
- Planbare, feste Raten
- Oft auch ohne perfekte Bonität möglich
4. Was du langfristig tun kannst, um deine Chancen zu verbessern
Bonität aktiv verbessern:
- Rechnungen pünktlich bezahlen
- Offene Posten klären
- Einträge bei der Schufa überprüfen und ggf. korrigieren
- Laufende Kredite sauber bedienen
Buchführung optimieren:
- Einnahmen und Ausgaben regelmäßig dokumentieren
- Geschäftskonto sauber führen
- Bei Bedarf Unterstützung durch eine Steuerberaterin holen
Realistisch planen:
- Kreditbedarf nicht zu hoch ansetzen
- Keine Luftschlösser bauen
- Rückzahlung konservativ kalkulieren – mit Puffer für schwächere Monate
5. Fazit: Eine Absage ist kein Ende – sondern oft nur ein Umweg
Wenn dir eine Bank den Kredit verweigert, ist das natürlich frustrierend. Aber es ist auch eine Chance, dein Vorhaben nochmal zu überdenken, deine Zahlen zu schärfen und neue Wege zu prüfen.
Es gibt mehr als eine Tür. Manchmal öffnet sich die zweite schneller als gedacht – du musst nur wissen, wo du klopfen sollst.
Ich hab’s selbst erlebt: Erst Absage, dann Mikrokredit, dann Umsatzsteigerung – und später kam die Bank von allein auf mich zu.
Also: Kopf hoch, Plan anpassen, weitermachen.
Hast du auch schon mal eine Kreditabsage bekommen? Wie bist du damit umgegangen? Lass uns darüber sprechen.