Hallo zusammen, Alex hier. Wenn du selbstständig bist, kennst du’s vielleicht: Ein größerer Kunde zahlt zu spät, zwei Aufträge verschieben sich, eine Rechnung vom Steuerberater flattert rein – und plötzlich wird’s finanziell eng.
In genau solchen Situationen habe ich mir oft dieselbe Frage gestellt: Hol ich mir einen Kredit, um die Lücke zu überbrücken – oder wäre ein Nebenjob die bessere Lösung?
In diesem Artikel nehme ich dich mit in meine Überlegungen, Erfahrungen und zeige dir, was wann Sinn macht – und worauf du besser verzichten solltest.
1. Der Klassiker: „Ich brauch jetzt schnell Geld“
Liquiditätsengpässe sind in der Selbstständigkeit keine Seltenheit. Die Ursachen:
- Kunden zahlen spät oder gar nicht
- Saisonabhängiges Geschäft (Sommer/Winter)
- Unerwartete Ausgaben (Technik kaputt, Steuer-Vorauszahlung etc.)
- Auftragslage bricht kurzfristig ein
Und genau in diesen Momenten neigt man zu Schnellschüssen. Dabei lohnt es sich, einmal kurz durchzuatmen – und dann sachlich zu entscheiden:
Kredit aufnehmen? Nebenjob annehmen? Rücklagen aufbrauchen? Projekt umstrukturieren?
2. Kredit – die schnelle Lösung mit langfristiger Bindung
Ein Kredit kann helfen, wenn du kurzfristig Luft brauchst – aber denk daran: Du verschiebst das Problem nicht nur, du musst es später auch zurückzahlen.
Vorteile:
- Sofortige Liquidität
- Flexibel einsetzbar (z.?B. für Fixkosten, Marketing, neue Anschaffungen)
- Gute Konditionen bei Mikrokrediten oder Plattformen
Nachteile:
- Zinskosten
- Regelmäßige Raten – auch wenn es gerade schlecht läuft
- Gefahr der Überschuldung, wenn du keinen konkreten Rückzahlungsplan hast
Wann sinnvoll?
- Wenn du weißt, dass bald Geld reinkommt (z.?B. große Rechnung offen)
- Wenn du in etwas investieren willst, das Ertrag bringt (z.?B. neue Website, Werbekampagne)
- Wenn du keine Zeit für einen Nebenjob hast, weil du dein Business weiterführen musst
3. Nebenjob – der unterschätzte Rettungsanker
Ein Nebenjob als Selbstständiger? Klingt für manche wie ein Rückschritt – ist aber oft ein smarter Schachzug.
Vorteile:
- Kein neues Darlehen, keine Schulden
- Zusätzliche Sicherheit in Krisenzeiten
- Kontakte, Struktur, neue Perspektiven
Nachteile:
- Zeitverlust fürs Hauptgeschäft
- Energie und Fokus wandern ab
- Manche Kunden sehen’s kritisch, wenn du „noch was anderes machst“
Wann sinnvoll?
- Wenn dein Business gerade wirklich auf Pause steht (z.?B. Saisonbetrieb)
- Wenn du dir eine Grundlage schaffen willst, um langfristig entspannter zu arbeiten
- Wenn du vermeiden willst, dich zu verschulden
Beispiele aus meiner Umgebung:
- Grafikdesigner arbeitet 10 Stunden/Woche in einem Copyshop
- Coach übernimmt vorübergehend einen Minijob im Lager
- Texterin fährt samstags Lieferdienst, um Fixkosten zu decken
Manchmal reicht schon ein kleiner Nebenverdienst, um die schlimmsten Monate zu überstehen – und danach wieder mit voller Kraft in die Selbstständigkeit zu starten.
4. Kombination aus beiden: Warum entweder/oder nicht immer sinnvoll ist
Ich hab’s auch schon gemacht: einen kleinen Mikrokredit aufgenommen, um offene Rechnungen zu überbrücken – und parallel für drei Monate einen Werkvertrag angenommen.
So konnte ich meine Fixkosten decken, ohne mein Geschäft komplett auf Eis zu legen.
Wichtig ist:
- Rechne sauber: Wie viel brauchst du wirklich – wie schnell kannst du es zurückzahlen?
- Achte auf deine Zeit – überfordere dich nicht
- Kommuniziere offen: Viele Kund:innen haben Verständnis, wenn du in der Krise pragmatisch agierst
5. Was du auf keinen Fall tun solltest
a) Schnellkredit ohne Plan aufnehmen
Kredite, die du „mal eben schnell“ aufnimmst, weil du gerade Panik hast, gehen fast immer nach hinten los – vor allem, wenn du keine klare Rückzahlungsstrategie hast.
b) Alles auf einmal machen
Tagsüber Nebenjob, abends Hauptgeschäft, zwischendrin Steuer, Haushalt und Familie – das geht nicht lange gut. Lieber einen klaren Plan mit Zeitpuffern machen.
c) Die Krise totschweigen
Rede mit deinem Steuerberater, mit der Bank, mit Partner:innen. Manchmal gibt es Lösungen (z.?B. Stundungen, Zwischenfinanzierungen), die du alleine gar nicht auf dem Schirm hast.
6. Fazit: Nebenjob oder Kredit – die Entscheidung liegt bei dir (und deiner Lage)
Beides kann sinnvoll sein – es kommt darauf an, wo du gerade stehst.
Kredit:
? Wenn du eine kurzfristige Lücke überbrücken oder gezielt investieren willst.
Nebenjob:
? Wenn du langfristig Sicherheit brauchst oder dein Geschäft gerade ruht.
Kombi:
? Wenn du beides gut organisieren kannst – und einen klaren Rückzahlungsplan hast.
Selbstständig zu sein heißt auch: Verantwortung übernehmen – für deine Einnahmen, deine Ausgaben und deine Energie. Ein Nebenjob ist keine Niederlage. Ein Kredit ist keine Schwäche. Beides sind Werkzeuge.
Die Kunst ist, sie zur richtigen Zeit zu nutzen.
Wie hast du Engpässe überbrückt? Kredit, Nebenjob oder ganz anders? Ich freue mich auf den Austausch.