Hallo zusammen, Alex hier. Wenn du selbstständig bist, kennst du das: Mal läuft’s richtig gut, dann kommt plötzlich ein Einbruch. Ein großer Auftrag platzt, ein Kunde zahlt nicht, ein Projekt wird verschoben – oder wie bei mir damals: Eine Kombination aus allem gleichzeitig.
Ich erinnere mich noch an das mulmige Gefühl, als ich merkte, dass das Geschäft nicht wie gewohnt weiterlief – und trotzdem Miete, Versicherungen und Rechnungen fällig wurden. In solchen Momenten braucht man schnell Geld. Aber genau dann winken viele Banken ab.
In diesem Artikel zeige ich dir, welche Möglichkeiten du als Selbstständiger in einer wirtschaftlich schwierigen Phase hast, um deine Liquidität zu sichern – sei es mit Kredit, alternativen Finanzierungen oder cleverem Krisenmanagement.
1. Erste Hilfe bei akutem Liquiditätsengpass
Bevor du dich um einen Kredit bemühst, solltest du deine aktuelle Lage ganz nüchtern analysieren. Das fällt in der Krise schwer, aber es ist wichtig.
Fragen, die du dir stellen solltest:
- Wie viel Geld fehlt konkret – und wofür?
- Welche Einnahmen sind sicher, welche unsicher?
- Welche Ausgaben kannst du aufschieben oder senken?
- Gibt es Rücklagen, auf die du kurzfristig zugreifen kannst?
Ein offener Überblick über Einnahmen, Ausgaben und Liquidität zeigt dir, wie viel du wirklich brauchst – und wie dringend.
2. Möglichkeiten für kurzfristige Finanzierung
a) Kontokorrentkredit / Dispo fürs Geschäftskonto
Wenn du ein Geschäftskonto hast, frag nach einem kurzfristigen Überziehungsrahmen.
- Flexibel verfügbar
- Zinsen nur für den genutzten Betrag
- Oft innerhalb von 24–48 Stunden eingerichtet
Voraussetzung: Du solltest in der Vergangenheit bereits regelmäßige Geldeingänge auf dem Konto gehabt haben.
b) Mikrokredit für Selbstständige
Klein, schnell, zweckgebunden – ideal für akute Engpässe.
- 1.000 bis 25.000 Euro
- Meist keine klassischen Sicherheiten nötig
- Anbieter: Deutsches Mikrokreditinstitut, iwoca, auxmoney
Wichtig: Zeig, wie du mit dem Kredit die Krise überbrücken und wieder in den grünen Bereich kommen willst.
c) Kreditplattformen (auxmoney, Funding Circle)
Auch wenn klassische Banken ablehnen, kannst du über Plattformen mit privaten Investoren arbeiten.
- Kredit trotz schwächerer Bonität möglich
- Fokus liegt auch auf deiner Geschichte und deinem Vorhaben
- Ideal, wenn du wieder auf Kurs bist, aber kurzfristig Luft brauchst
d) Factoring
Wenn du Rechnungen offen hast, die aber erst in ein paar Wochen bezahlt werden, kannst du sie verkaufen.
- Sofortige Liquidität
- Kein Kredit, sondern Rechnungsvorfinanzierung
- Du zahlst eine kleine Gebühr (meist 1–5 % der Summe)
Voraussetzung: Du arbeitest mit Geschäftskunden (B2B), nicht nur mit Privatkunden.
3. Öffentliche Unterstützungsangebote prüfen
Je nach Branche und Bundesland gibt es Förderungen, Zuschüsse oder Überbrückungshilfen. Auch das Jobcenter kann manchmal helfen – ja, auch für Selbstständige.
Mögliche Anlaufstellen:
- KfW-Schnellkredite (je nach Marktlage)
- Bürgschaftsbanken der Länder
- Landesförderinstitute (z.?B. NRW.Bank, LfA Bayern, ILB Brandenburg)
- Agentur für Arbeit (z.?B. Einstiegsgeld, ALG II-Ergänzung)
Wichtig: Diese Angebote ändern sich regelmäßig – also immer aktuell informieren.
4. Was du intern sofort tun kannst
Kosten runterfahren
- Fixkosten prüfen: Miete, Versicherungen, Abos
- Mit Lieferanten, Vermietern und Dienstleistern über Stundungen oder Raten sprechen
- Nicht notwendige Investitionen verschieben
Zahlungseingänge beschleunigen
- Offene Rechnungen aktiv nachverfolgen
- Abschlagszahlungen vereinbaren
- Frühzahlungsrabatte für Kunden anbieten
Umsatzlücken schließen
- Kleine Zusatzangebote schaffen (z.?B. Online-Beratungen, Expressleistungen)
- Gutscheinaktionen starten
- Stammkunden direkt ansprechen
5. Was du bei Krediten in der Krise beachten musst
a) Keine Schnellschüsse
Nicht jeder Kredit hilft wirklich. Überlege, ob du den Kredit zurückzahlen kannst – und wie. Nicht selten verschiebt man mit einem unpassenden Kredit das Problem nur.
b) Ehrlich mit der Situation umgehen
Beschönigungen bringen nichts. Wenn du zeigst, dass du einen Plan hast, wie du wieder auf die Beine kommst, sind viele Kreditgeber eher bereit, dich zu unterstützen.
c) Klein anfangen
Lieber einen kleinen Kredit, der machbar ist, als eine große Summe, die dich später überfordert.
6. Langfristig gestärkt aus der Krise kommen
Krisen gehören zur Selbstständigkeit. Aber du kannst daraus lernen – und dein Business krisenfester machen.
Meine Learnings aus der Vergangenheit:
- Rücklagen aufbauen, sobald es besser läuft
- Einnahmen diversifizieren – nicht nur auf einen Kunden verlassen
- Fixkosten gering halten, wo immer möglich
- Frühzeitig auf Liquiditätsengpässe reagieren
7. Fazit: Auch in der Krise gibt es Wege – du musst sie nur kennen
Die meisten Selbstständigen erleben irgendwann eine Phase, in der es eng wird. Das ist nicht das Ende – sondern der Moment, in dem du kreativ, strategisch und mutig handeln musst.
Ob über Mikrokredit, Plattformen, Factoring oder Unterstützung durch Förderinstitute – es gibt Lösungen. Wichtig ist, dass du aktiv bleibst, deine Zahlen kennst und nicht in Schockstarre verfällst.
Ich hab’s selbst erlebt – mehr als einmal. Und genau deshalb kann ich dir sagen: Man kommt da wieder raus.
Wie hast du schwierige Phasen überstanden? Oder steckst du gerade mittendrin? Ich bin gespannt auf deinen Weg.