Selbstständig und allein – Finanzierung für Solo-Selbstständige ohne Angestellte

Hallo zusammen, Alex hier. Ich bin seit über 20 Jahren selbstständig – und die meiste Zeit davon komplett auf mich allein gestellt. Kein Team, kein Büro mit Mitarbeitenden, keine Assistentin, die Termine sortiert. Einfach nur ich. Und das ist auch gut so.
Aber als Solo-Selbstständiger ist es manchmal verdammt schwer, an einen Kredit zu kommen. Vor allem dann, wenn die Bank fragt: „Wie groß ist Ihr Unternehmen?“ und die Antwort schlicht „Ich“ lautet.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie du als Ein-Personen-Unternehmen trotzdem an eine Finanzierung kommst, welche Besonderheiten du beachten musst und wo es passende Angebote für Solo-Selbstständige gibt.


1. Warum Solo-Selbstständige bei Banken oft durchs Raster fallen

Banken mögen Sicherheiten. Und die verbinden sie oft mit festen Strukturen: Angestellte, Büroräume, monatlich konstante Umsätze.

Solo-Selbstständige wirken dagegen oft klein, instabil und – aus Sicht der Bank – schwer einschätzbar. Typische Vorurteile lauten:

  • Kein Team = kein skalierbares Unternehmen
  • Kein festes Gehalt = hohes Zahlungsausfallrisiko
  • Kein Eigenkapital = geringes Sicherheitsniveau

Dabei vergessen viele: Gerade Solo-Selbstständige arbeiten oft effizient, flexibel und mit geringen Fixkosten.


2. Was zählt wirklich, wenn du als Solo-Selbstständiger einen Kredit willst

Auch ohne Team kannst du Banken oder Kreditgeber überzeugen – du brauchst nur die richtigen Argumente.

Wichtige Punkte:

  • Nachweisbarer Umsatz: Auch wenn du allein arbeitest, kannst du regelmäßig Einnahmen generieren. Eine Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) oder Umsatzübersicht der letzten 12–24 Monate ist hilfreich.
  • Stabile Auftragslage: Wenn du mit wenigen, aber zuverlässigen Kunden arbeitest, ist das oft besser als viele unregelmäßige Aufträge.
  • Geringe Fixkosten: Ein kleiner Betrieb mit niedrigen laufenden Kosten ist für viele Kreditgeber weniger riskant als ein großes Unternehmen mit hohem Kostenblock.
  • Klares Investitionsziel: Zeig genau, wofür du den Kredit brauchst. Ein neuer Laptop? Marketing? Weiterbildung? Je konkreter, desto besser.

3. Welche Kredite kommen für Solo-Selbstständige infrage

a) Mikrokredit (1.000 – 25.000 Euro)

Ideal, wenn du eine kleinere Investition planst.

  • Weniger bürokratisch
  • Keine umfangreichen Sicherheiten notwendig
  • Anbieter: Deutsches Mikrokreditinstitut, iwoca, auxmoney

Wichtig: Auch hier zählt deine Vorbereitung. Erkläre, wie du den Kredit zurückzahlst und was dir die Investition bringt.


b) Ratenkredit über das private Einkommen

Wenn du neben deiner Selbstständigkeit noch ein Angestelltenverhältnis oder eine andere Einkommensquelle hast, kannst du einen normalen Ratenkredit aufnehmen.

Vorteile:

  • Schnell verfügbar
  • Keine Nachweise zur Selbstständigkeit nötig, wenn das Angestelltenverhältnis stabil ist

Tipp: Auch Renten, Mieteinnahmen oder Unterhaltszahlungen können bei der Haushaltsrechnung berücksichtigt werden.


c) KfW-Kredite für kleine Unternehmen und Solo-Selbstständige

Die KfW bietet spezielle Programme an, auch für Ein-Personen-Unternehmen. Besonders geeignet:

  • ERP-Gründerkredit – StartGeld (bis 125.000 Euro, auch für Teilzeitgründungen)
  • KfW-Unternehmerkredit (für bestehende Unternehmen, mehr als 5 Jahre am Markt)

Der Antrag läuft über eine Hausbank. Ein Businessplan ist meist erforderlich.


d) Kreditplattformen mit privaten Investoren

Bei Plattformen wie auxmoney oder Funding Circle kannst du dein Vorhaben vorstellen und von privaten oder institutionellen Investoren finanzieren lassen.

Vorteile:

  • Auch mit schwankendem Einkommen möglich
  • Kein großes Unternehmen nötig
  • Persönlicher Eindruck zählt

Nachteile:

  • Zinsen oft höher als bei klassischen Banken
  • Abhängig davon, ob sich Investoren finden

4. Alternativen zum klassischen Kredit

Wenn du ungern Schulden machst oder keine Zusage bekommst, gibt es noch andere Möglichkeiten:

Factoring

Falls du Rechnungen an Geschäftskunden stellst, kannst du sie verkaufen und bekommst das Geld sofort.

  • Liquidität ohne Kredit
  • Keine neue Verschuldung
  • Geeignet für Solo-Selbstständige im B2B-Bereich

Leasing statt Kauf

Gerade bei Technik oder Fahrzeugen ist Leasing oft sinnvoll.

  • Planbare, monatliche Raten
  • Geringe Anfangsinvestition
  • Steuerlich absetzbar

Crowdfunding

Wenn du ein kreatives Projekt planst (z.?B. ein Buch, ein Produkt, ein Online-Kurs), kannst du Unterstützer über Plattformen wie Startnext oder Kickstarter gewinnen.


5. Fehler vermeiden bei der Kreditbeantragung

Fehler 1: Du willst zu viel auf einmal
Starte mit einem kleinen Kredit und beweise, dass du zuverlässig tilgen kannst. Danach kannst du dich steigern.

Fehler 2: Du hast keine klaren Unterlagen
Auch wenn du allein arbeitest: Einfache, nachvollziehbare Finanzübersichten sind Pflicht.

Fehler 3: Du unterschätzt deine eigene Position
Nur weil du allein arbeitest, heißt das nicht, dass du weniger „wert“ bist als ein Unternehmen mit zehn Mitarbeitenden. Im Gegenteil – oft arbeitest du wirtschaftlicher.


6. Fazit: Auch Solo-Selbstständige bekommen Kredite – mit der richtigen Strategie

Du brauchst kein Team, keine GmbH und keine riesigen Umsätze, um an Geld zu kommen. Was zählt, ist:

  • Saubere Zahlen
  • Ein klares Ziel
  • Realistische Rückzahlungspläne

Mit einem guten Überblick über deine Finanzen, einem klaren Verwendungszweck und etwas Geduld kannst du auch als Solo-Selbstständiger erfolgreich einen Kredit bekommen.

Wie hast du deine Solo-Selbstständigkeit finanziert? Oder planst du gerade einen nächsten Schritt? Ich bin gespannt auf deinen Weg.

 

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