Hallo zusammen, Alex hier. Heute spreche ich über eine Situation, die viele von uns Selbstständigen früher oder später trifft – auch mich hat sie nicht nur einmal erwischt: Plötzlich sind keine neuen Aufträge da. Die Pipeline ist leer. Der Kalender auch. Und auf dem Konto wird’s eng.
Das kann nach einem Großprojekt passieren, nach einem Urlaub, weil ein Kunde abgesprungen ist oder – ganz klassisch – in der typischen Nebensaison (Sommerloch oder Jahresanfang, irgendwas ist ja immer). Die Frage ist dann: Wie überbrücke ich die Zeit, ohne direkt in Panik zu verfallen oder Schulden anzuhäufen?
In diesem Artikel zeige ich dir, wie du als kurzfristig auftragsloser Selbstständiger handlungsfähig bleibst, welche Finanzierungs- und Einkommensmöglichkeiten es gibt – und wie du solche Phasen in Zukunft besser abfederst.
1. Kurz durchatmen: Auftragslosigkeit ist (meist) temporär
Das Wichtigste zuerst: Du bist nicht gescheitert, nur weil gerade keine neuen Jobs reinkommen. Das passiert selbst den erfolgreichsten Freelancer:innen, Agenturen oder Solo-Selbstständigen.
Das Entscheidende ist nicht die Leere im Kalender – sondern dein Umgang damit.
2. Was du jetzt sofort tun kannst – ohne Kredit
a) Offene Rechnungen eintreiben
Wenn du noch offene Zahlungen aus früheren Projekten hast: Jetzt ist der richtige Moment, sie einzufordern. Freundlich, aber bestimmt.
b) Einnahmenvorschau aktualisieren
Was ist sicher in den nächsten Wochen? Gibt es Kunden, die bald wieder buchen könnten? Gibt es geplante Zahlungen?
c) Kosten stoppen, wo’s geht
- Nicht genutzte Tools kündigen oder pausieren
- Stundung bei Vermietern oder Versicherern anfragen
- Werbung pausieren, wenn sie aktuell keine Wirkung hat
Auch kleine Summen machen in Summe einen Unterschied.
3. Finanzierungsmöglichkeiten bei kurzfristigem Engpass
a) Kontokorrentkredit oder Dispo fürs Geschäftskonto
Wenn du regelmäßig Einnahmen auf deinem Geschäftskonto hast, bietet dir deine Bank womöglich einen kleinen Überziehungsrahmen.
- Flexibel
- Schnell eingerichtet
- Ideal für 1–2 Monate Überbrückung
Achtung: Zinsen liegen meist über 8 %, also nur für kurzfristige Nutzung geeignet.
b) Mikrokredit für Selbstständige
Wenn du eine Investition planst (z.?B. in Werbung, Weiterbildung, neue Tools), kann ein Mikrokredit helfen – gerade in der Ruhephase.
- 1.000 bis 25.000 €
- Ohne klassische Sicherheiten
- Anbieter: iwoca, Mikrokreditinstitut, auxmoney
Konditionen sind oft fairer als bei klassischen Banken – wichtig ist, dass du den Nutzen der Investition klar darstellst.
c) Privatkredit zur Überbrückung
Wenn du noch aus früheren Angestelltenzeiten eine gute Bonität hast, kannst du ggf. einen kurzfristigen Ratenkredit über dein Privatkonto bekommen.
Wichtig: Nutze ihn gezielt, nicht als „Allgemeinkasse“. Und plane realistisch, wann du die Raten wieder stemmen kannst.
4. Alternative Wege zu Einkommen ohne neue Kunden
a) Minijob oder temporärer Nebenverdienst
Gerade in Auftragsflauten kann ein kleiner Nebenjob für ein paar Wochen Wunder wirken. Ob Lagerarbeit, Kurierdienst oder Online-Tätigkeit – besser als Däumchen drehen.
b) Produkte statt Dienstleistungen
Hast du Inhalte, die du in Form bringen kannst?
- E-Book
- Mini-Kurs
- Vorlagen
- Online-Workshops
Einmal erstellt, können diese auch in Zukunft passiv etwas einbringen.
c) Netzwerke aktivieren
Oft warten Aufträge nicht „im Internet“, sondern in deinem Netzwerk. Eine kurze Rundmail, ein LinkedIn-Post, ein Telefonat mit einem alten Kunden – und plötzlich kommt ein Projekt reingeflattert.
5. Was du NICHT tun solltest
Fehler 1: Schnellkredit aus Panik aufnehmen
Wenn du nicht weißt, wie du das Geld zurückzahlen willst, machst du dir nur mehr Druck.
Fehler 2: In der Flaute einfach weitermachen wie bisher
Nutze die Zeit strategisch – für Optimierung, Weiterbildung, neue Angebote, Steuerkram oder Website-Updates.
Fehler 3: Alles allein durchstehen wollen
Sprich mit Kolleg:innen, deinem Steuerberater oder sogar deiner Hausbank. Manchmal helfen kleine Hinweise oder Zahlungsaufschübe enorm.
6. Langfristig besser aufstellen für die nächste Flaute
Puffer aufbauen – auch wenn’s schwerfällt
Selbst 5–10 % vom Monatsgewinn beiseitezulegen, bringt dich auf Dauer in eine bessere Position.
Fixkosten regelmäßig prüfen
Abo-Modelle, Tools, Versicherungen – vieles lässt sich optimieren, ohne auf Qualität zu verzichten.
Zweitstandbein entwickeln
Viele Selbstständige kombinieren projektbasiertes Arbeiten mit dauerhaftem Einkommen (z.?B. durch einen Online-Shop, Lizenzverkäufe, Mitgliedschaftsmodelle etc.).
Auftragslose Phasen sind normal – du musst nur vorbereitet sein
Die große Kunst in der Selbstständigkeit ist nicht, jede Woche ausgebucht zu sein. Es ist, mit Schwankungen umzugehen, ohne in Existenzpanik zu verfallen.
Mit klarem Kopf, schlauer Planung und einer Prise Kreativität kannst du auch magerere Zeiten überstehen – und vielleicht sogar neue Angebote entwickeln, die dich langfristig unabhängiger machen.
Ich selbst habe in so mancher Flaute meine besten Ideen entwickelt – nicht unter Druck, aber mit Fokus.
Wie gehst du mit auftragsfreien Phasen um? Schreib mir gern – ich bin gespannt auf deine Strategien.