Hallo zusammen, Alex hier. Heute mal ein Thema, das mir zwar persönlich nicht passiert ist (logisch), aber aus meiner Beratungspraxis immer wieder auftaucht – und zwar: Wie finanziere ich mich als Selbstständige, wenn ich schwanger bin oder bald in Elternzeit gehe?
Denn ganz ehrlich: Der Mut, ein eigenes Business zu starten, ist groß. Aber wenn dann noch ein Kind unterwegs ist, wird’s oft richtig kompliziert – vor allem finanziell. Gerade in der Selbstständigkeit gibt’s nämlich keinen automatischen Mutterschutz, kein volles Elterngeld auf Basis von Lohnzetteln und leider auch nicht immer Verständnis von der Bank.
Aber: Es gibt Wege. Und in diesem Artikel zeige ich dir, was möglich ist, welche Finanzierungslösungen du kennen solltest und wie du auch mit Baby im Bauch oder auf dem Arm den Überblick behältst.
1. Die Herausforderung: Schwangerschaft und Selbstständigkeit – passt das überhaupt zusammen?
Ja, tut es. Aber es braucht Planung.
In der Festanstellung springt der Arbeitgeber ein, übernimmt Gehalt während des Mutterschutzes, und das Elterngeld wird anhand des letzten Netto berechnet. In der Selbstständigkeit sieht das anders aus:
- Du bekommst nur dann Mutterschaftsgeld, wenn du freiwillig gesetzlich krankenversichert bist – und auch nur in Höhe des Krankengeldes.
- Elterngeld gibt’s auf Basis deines letzten Einkommensteuerbescheids.
- Arbeitest du während des Elterngeldbezugs weiter, wird das angerechnet.
- Du bist für dein Business weiterhin verantwortlich – auch mit Baby.
Klingt erstmal anstrengend, ist aber machbar. Wichtig ist: Frühzeitig informieren, planen und die Finanzierung entsprechend aufstellen.
2. Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es rund um Schwangerschaft und Elternzeit?
a) Elterngeld – auch für Selbstständige
Du bekommst Elterngeld, wenn du:
- in den letzten 12 Monaten vor Geburt Einkommen hattest
- deine Tätigkeit während des Elterngeldbezugs ruhen lässt oder max. 32 Stunden/Woche arbeitest
- einen Steuerbescheid oder eine Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) vorlegen kannst
Tipp: Plane frühzeitig, wie du deinen Gewinn minimierst oder optimierst – denn das Elterngeld richtet sich nach dem durchschnittlichen Gewinn, nicht dem Umsatz.
b) Überbrückung durch Mikrokredite oder private Kredite
Wenn du vor oder während der Elternzeit eine Investition machen möchtest (z.?B. Online-Angebote aufbauen, Technik kaufen, Marketing), kann ein kleiner Kredit helfen.
Geeignet sind z.?B.:
- Mikrokredit (1.000–25.000 Euro) von Anbietern wie iwoca, auxmoney oder Mikrokreditinstitut
- Privater Ratenkredit, wenn dein Partner ein stabiles Einkommen hat und ggf. mit unterschreibt
- Kreditplattformen, wo dein Projekt im Vordergrund steht – nicht nur dein aktuelles Einkommen
Wichtig: Zeige, wie du trotz reduzierter Arbeitszeit Einnahmen erzielst oder später wieder durchstartest.
c) Förderprogramme speziell für Gründerinnen und Wiedereinsteigerinnen
Viele Bundesländer und Städte fördern gezielt Frauen in der Selbstständigkeit – besonders beim Wiedereinstieg nach der Geburt.
Mögliche Angebote:
- Coaching- oder Beratungsgutscheine
- Zuschüsse für Gründung oder Investitionen
- Netzwerke speziell für Unternehmerinnen mit Kindern
Anlaufstellen: IHK, Gründerzentren, Frauenbeauftragte, Bundesprogramme (z.?B. „Gründerinnenagentur“, BAFA)
3. Leasing statt Kredit – wenn du dein Business trotzdem weiterführen willst
Falls du während oder nach der Schwangerschaft z.?B. ein neues Arbeitsgerät brauchst (Laptop, Kamera, Software etc.), kann Leasing eine gute Alternative sein:
- Keine hohe Einmalzahlung
- Feste, überschaubare Monatsraten
- Meist steuerlich absetzbar
So bleibst du arbeitsfähig, ohne deine Rücklagen zu verbrauchen oder Schulden aufzubauen.
4. Was du frühzeitig vorbereiten solltest
a) Einnahmen- und Ausgabenübersicht:
Plane für mindestens 12 Monate – wie hoch sind deine Fixkosten, welche Einnahmen erwartest du?
b) Rücklagen:
Versuche, möglichst vor der Geburt ein Polster für 3–6 Monate aufzubauen.
c) Plan B für dein Business:
Was passiert, wenn du plötzlich ausfällst? Gibt es einen Co-Coach, eine Assistentin, automatisierte Angebote?
d) Gespräche mit Kunden:
Gerade als Selbstständige:r ist Transparenz Gold wert. Wenn du kommunizierst, wann du verfügbar bist und wann nicht, bleiben viele Kund:innen treu.
5. Was du vermeiden solltest
Fehler 1: Alles laufen lassen wie bisher
Du brauchst Zeit für dich, das Baby und Erholung. Wenn du versuchst, Vollzeit weiterzuarbeiten, geht das meist auf Kosten deiner Gesundheit (oder deiner Familie).
Fehler 2: Keine Finanzierung planen
Selbst wenn du keinen Kredit brauchst – plane, wann welches Geld kommt und wie du Engpässe überbrückst.
Fehler 3: Zu spät um Unterstützung kümmern
Elterngeld, Förderungen und Kredite brauchen Vorlauf. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt.
Selbstständig mit Kind ist herausfordernd – aber absolut machbar
Du brauchst keine Konzernstruktur, um Schwangerschaft, Elternzeit und Selbstständigkeit unter einen Hut zu bringen. Aber du brauchst einen Plan – und manchmal ein bisschen externe Hilfe.
Ob durch Elterngeld, Mikrokredit, Leasing oder Förderung – es gibt Lösungen, die dich durch diese besondere Zeit bringen.
Ich ziehe den Hut vor allen, die diesen Weg gehen. Und ich weiß: Wer ein Business aufzieht und gleichzeitig ein Kind großzieht, schafft auch jede andere Herausforderung.
Wie hast du deine Elternzeit finanziell gemeistert? Oder stehst du gerade am Anfang dieser Reise? Ich freue mich, von dir zu hören.